Integration

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INTEGRATION

Zusammen-Wachsen

An der Losbergschule in Stadtlohn wird das „Wir“ im Miteinander aller Schülerinnen und Schüler gelebt. Einige sind erst seit kurzem in Deutschland: Hier bekommen sie individuelle Unterstützung, um in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen – mit einem multiprofessionellen Team, viel Engagement und großem Erfolg.

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Melina, Schülerin der Losbergschule

Das Wort Integration bedeutet so viel wie „Wiederherstellung eines Ganzen“. Durch Integration soll also etwas Ganzes, eine Einheit, entstehen. Im besten Fall eine Gesellschaft, in der alle, ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihres Geschlechts, in Freiheit und Respekt leben und ihren Teil zum gemeinsamen „Wir“ beitragen.

An der Losbergschule werden die Grundlagen dafür gelegt. Sie ist eine von noch drei Hauptschulen im Kreis. Vielerorts ist diese Schulform in den letzten Jahren durch Sekundar- oder Gesamtschulen abgelöst worden, nachdem durch den gesellschaftlichen Fokus aufs Abitur die Anmeldezahlen an vielen Hauptschulen immer weiter zurückgegangen waren.

Nicht so an der Losbergschule: „Wir erleben hier großes Engagement, seitens der Kinder wie der Familien“, sagt Schulleiterin Birgit Kentrup. Der überwiegende Teil der Eltern, ob Migrationshintergrund oder nicht, stehe im Dialog mit den Lehrerinnen und Lehrern, bringe sich aktiv ein für das Vorankommen ihrer Kinder. Das kommt nicht von ungefähr, denn Kentrup und ihr Kollegium fördern diesen Austausch aktiv: Integration und Bildung gelingen schließlich leichter, wenn Schule und Elternhaus an einem Strang ziehen. Auch mit den örtlichen Vereinen pflegt die Losbergschule gute Kontakte. Und „unsere Stadtgemeinschaft hier in Stadt­lohn ist sehr aufgeschlossen, inte­grativ und einladend“, freut sich Ken­trup über das gute lokale Miteinander.

Für neue Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache noch nicht oder nicht gut genug beherrschen, wird in der Losbergschule nach einer Eingangsanalyse ein individueller Lehrplan erstellt. Neben dem zügigen Spracherwerb stehen meist auch sichere mathematische Grundlagen im Fokus. Dafür gibt es die Eingangsklassen, eine Art „Schule in der Schule“ mit Schülerinnen und Schülern zwischen 10 und 18 Jahren. Mit hohem Betreuungsschlüssel, ausgereiftem Konzept und begleitet von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen gelingt es hier in beeindruckend kurzer Zeit, den Kindern Deutsch beizubringen. Parallel zur Eingangsklasse können sie so auch Stunden in ihrer altersgerechten Klasse verfolgen – und nach und nach komplett in den regulären Unterricht wechseln.

Die 15-jährige Melina kam erst vor zwei Jahren aus dem Iran nach Deutschland: Jetzt spricht sie fließend Deutsch und ist eine der Besten in ihrer 9. Klasse. Gerade macht sie ihren Abschluss, hat sich um ein Förderstipendium des Landes beworben und möchte sich als Nächstes mit der Fachhochschulreife für eine Ausbildung im sozialen Bereich qualifizieren. Auch der 12-jährige Igor, dessen Familie aus Polen stammt, ist ein Beispiel für die erfolgreiche Bildungsarbeit, die an der Losbergschule geleistet wird. Er ist schnell angekommen in seiner Klassengemeinschaft, hat Freunde gefunden und viele neue Lieblingsfächer.

Sechs ganz entscheidende Jahre seien es, die die Jugendlichen an der Losbergschule verbringen, sagt Sozialpädagogin Michelle Canoletta. Verstehen, wie Deutschland funktioniert, die Sprache erlernen, den Schulabschluss meistern und mit dem nächsten Schritt in die Berufsausbildung starten: Das sind große Aufgaben in einem Alter, in dem die Jugendlichen auch viel mit sich selbst zu tun haben. Je älter sie beim Start an der Losbergschule sind, desto mehr Unterstützung sei nötig, bestätigt Lucie Hinse, Leiterin der Eingangsklasse. 10- bis 12-Jährige finden sich leichter ein und zurecht als 13- oder 14-Jährige mitten in der Pubertät. Doch auch ihnen gelingt es mit der Zeit und dem Support durch das multiprofessionelle pädagogische Team der Losbergschule.

Die eigene Berufsperspektive zu finden, ist dabei ein ganz wichtiger Aspekt. Die Losbergschule nimmt am „Schulversuch Talentschule NRW“ teil und fördert die Schülerinnen und Schüler während der gesamten Hauptschullaufbahn gemäß ihren individuellen Vorlieben und Begabungen. Beim Einstieg in die Berufsausbildung unterstützt die Schule mit intensiver Beratung, vielen Praktika und Gesprächen: „Alle unsere Schülerinnen und Schüler haben dieses Thema fest im Blick.“

Dank dieser individuellen Förderung und Begleitung verlässt kein junger Mensch die Losbergschule, ohne zu wissen, was als Nächstes kommt. Etwa 30 % jedes Abschlussjahrgangs können dank guter Noten in die gymnasiale Oberstufe wechseln, die anderen starten in qualifizierte Ausbildungsberufe in regionalen Unternehmen.

„Alle reden vom Fachkräftemangel in Handwerk, Industrie und sozialen Berufen – wir als Hauptschule tun etwas dagegen, indem wir gut vorbereitete, motivierte junge Menschen aktiv an die Berufsausbildung heranführen: Hier bieten sich ihnen solide Perspektiven und tolle Möglichkeiten – bis hin zur Meisterprüfung, die wieder weitere Türen öffnet.“

Schöne Erfolgsgeschichten hören sie von ehemaligen Schülerinnen und Schüler, berichten Kentrup, Hinse und Canoletta, die mit vielen weiter in losem Kontakt stehen und ihre Entwicklung verfolgen. „Letztlich müssen sich alle jungen Menschen in die Gesellschaft 
integrieren, ob Deutsche oder nicht“, sagt Hinse. Für das Team der Losbergschule sei es ein beglückendes Gefühl, diesen Weg ebnen zu können: „Es ist ein tolles Miteinander hier, die große Wertschätzung und Sorge füreinander zieht sich als roter Faden durch die bunte Mischung der Losbergschule.“

Möglich macht diesen Erfolg auch die gute Ausstattung der Losbergschule, zu der die VR-Westmünsterland Bildungs-
initiative e. V. einen Teil beiträgt: Mit Fördergeldern hat sie schon zahlreichen Projekten der Losbergschule den finanziellen Aufwind gegeben, ohne den gute, zeitgemäße Bildung nicht funktioniert – ob Lego-Roboter, mit denen Programmieren geübt wird, 3D-Drucker für den Informatikunterricht oder die Ausstattung eines Multimediaraums. So kann die Zukunft Fahrt aufnehmen.