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GRÜNE ROBOTER

Leitungsführungssysteme sind die Lebensadern eines Industrieroboters: Sie zu entwickeln und zu montieren, ist die Domäne von Becker Robotic in Dülmen. Außer mit Robotik kennt sich Inhaber Andries Broekhuijsen aber inzwischen auch mit Ökostromerzeugung aus – denn das CO₂-neutrale Energiekonzept für seinen 10.000 Quadratmeter großen Betrieb hat er selbst entwickelt.

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Becker Robotic

„Als gebürtiger Niederländer bin ich vermutlich besonders sensibel für Klimafolgen – es erwischt Holland zuerst, wenn der Meeresspiegel weiter steigt“, schmunzelt Broekhuijsen. Weil „allgemein viel zu viel geredet und zu wenig gehandelt wird“, hat er vor vier Jahren beschlossen, für sein Unternehmen die fossile Ära zu beenden und es künftig autark und CO₂-neutral mit selbst erzeugtem Ökostrom zu versorgen. Anlass war der Betriebsumzug seines Unternehmens auf das Gelände der ehemaligen St. Barbara-Kaserne – für dessen Umwandlung in Gewerbe­flächen Broekhuijsen mit einigen Mitstreitern der entscheidende Motor gewesen ist.

Mehrere tausend Stunden hat Broekhuijsen seither in das Projekt CO₂-­­Neutralität investiert. Weil er keinen Energieberater fand, der diese kom­plexe Aufgabe begleiten konnte, hat er sich selbst eingearbeitet in die technologischen Voraussetzungen der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien. „Ich habe keine Grundlagen­forschung betrieben, sondern mir bewährte Methoden angeschaut – und versucht, sie möglichst clever zu kombinieren.“

Manche Ansätze musste Broekhuijsen wieder verwerfen. So wollte er ursprünglich Windkraft in sein Konzept einbeziehen, doch das scheiterte an den Auflagen. Außerdem hat er auf seinem Gelände inzwischen auch ein kleines Boutique-Hotel mit neun Apartment-Lofts errichtet, als Unterkunft für Mitarbeiter aus seinen weltweiten Niederlassungen, aber auch für jedermann: „Und so ein Windrad vorm Hotel, das geht nicht.“

Als Energie-Erzeuger kam letztendlich eine Photovoltaik-Anlage mit ca. 1 Megawatt peak (MWp) zum Tragen, montiert unter anderem auf einem 3.000 Quadratmeter großen Schleppdach des Werksgeländes. Das Energiekonzept sieht vor, dass 80 bis 90 Prozent des elektrischen Jahres­bedarfs vor Ort erzeugt werden. Die große Herausforderung ist allerdings nicht die Erzeugung, sondern die Speicherung des „selbstgemachten“ Stroms, denn der Ertrag der PV-Anlage schwankt nach Tages- und Jahreszeit. Vor kurzem ist ein werkseigener Trafo mit einer Leistung von 800 Kilovoltampere (kVA) installiert worden, seitdem sind Stromspitzen in der Energieerzeugung und -abnahme kein Thema mehr. Der Eigenverbrauch kann aber nur über leistungsfähige Stromspeicher gesteigert werden, deshalb reihen sich in den Kellerräumen der durchsanierten ehemaligen Kasernengebäude großformatige Batteriespeicheranlagen mit einer Speicherkapazität von 440 Kilowattstunden (kWh).

Genutzt wird der Strom effizient und mit findiger Technik. Die Heizung in der 5.000 Quadratmeter großen Produktionshalle etwa funktioniert mittels Betonkern-Aktivierung und einer reversiblen Wärmepumpe. So herrschen nicht nur im Winter angenehme Temperaturen, in den zunehmend heißeren Sommern kann die Halle über den Boden auch gekühlt werden. Alle Gabelstapler und ein Teil der Firmenflotte bei Becker fahren elektrisch, die LED-Beleuchtung wird tageslichtabhängig gesteuert, und auch in der Produktion selbst kommt der eigene Strom zum Einsatz. Jüngst wurde die letzte PV-Einheit samt Speicheranlage installiert, so dass als Nächstes nun von TÜV und DEKRA die Zertifizierung nach ISO 14064 abgenommen werden kann: CO₂-Neutralität.

Tesla und BMW, die zu den Becker-Kunden zählen, haben ihren Lieferanten die Testierung der klimaneutralen Produktion bereits ins Pflichtenheft geschrieben; weitere werden folgen, davon geht Broekhuijsen aus. Doch das ist nicht die einzige wirtschaftliche Überlegung, die ihn geleitet hat. Zwar hat er über eine Million Euro in sein Energiekonzept investiert, doch Becker Robotic wird jetzt auch rund 100.000 Euro Energiekosten im Jahr sparen. Haben sich die Anlagen amortisiert, wird das Unternehmen davon dauerhaft profitieren – und die Umwelt sowieso.

Entsprechend zufrieden und stolz ist Broekhuijsen auf seine klimaneutrale Firma. „Man fragt sich schon, warum das nicht jeder macht“, sagt er. Denn die Umsetzung, mit der er ausschließlich lokale Handwerksbetriebe beauftragt hat, lief absolut professionell und reibungslos – genau wie die Umstellung innerhalb des Unternehmens. „Unsere Partner und Auftragnehmer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben diese Entwicklung zu 100 Prozent unterstützt, befürwortet und mitgetragen. Diese gemeinsame Begeisterung, das Richtige zu tun, ist eine rundum tolles Sache“.