Landwirtschaft

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LANDWIRTSCHAFT

Wende auf der Weide

Auf einem Biohof vermutet man glückliche Kühe. Und Bio macht auch den Bauern glücklicher, das ist zumindest bei Familie Potthoff in Velen so. Vor drei Jahren hat sie ihren konventionellen Milchviehbetrieb umgestellt – und auch dabei war ein bisschen Glück im Spiel.

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Biohof Potthoff

Mit einer Radtour fing es an: Die führte Stefan Potthoffs Eltern zu einem Biohof – schon etliche Jahre vor der Betriebsübergabe an ihren Sohn. Ob das nicht eine Option für die Zukunft wäre, fragten sie Stefan zu Hause. Doch der winkte erstmal ab. „In meinem Agrarwirtschaftsstudium kamen wir alle aus konventionellen Betrieben, über Bio wurde da eher gefrotzelt.“ Doch dann fielen die Milchpreise immer tiefer, und es war klar, „das rechnet sich nur noch bei ständigem Wachstum, immer größer, immer mehr.“ Also setzte sich die Familie nochmal zusammen: Wenn man sowieso investieren muss, warum dann nicht in Qualität statt Masse? „Da habe ich angefangen, mich ernsthafter mit Bio auseinanderzusetzen – und dann einfach mal bei der regionalen Bio­molkerei angerufen.“

„Perfektes Timing“, sagt Potthoff heute, denn bei Söbbeke in Gronau-Epe war just Bedarf. Und dann ging es los. Langsam – denn bis Milch wirklich Biomilch ist, dauert es drei Jahre. Die Umstellung beginnt auf dem Feld, weil dort das Futter für die Kühe wächst. Laut Bioverordnung muss ein Betrieb seine Kühe vom eigenen Land versorgen können, ohne Zusatz von Kunstdünger. Damit bestimmt die verfügbare Fläche die Menge der Kühe. Ein Prinzip, das auch andersrum funktioniert: In der naturnahen Biohaltung gibt es kein 
Gülleproblem, nur den natürlichen Kreislauf vom Boden in die Kuh und zurück.

Zwei Jahre dauert die Flächenumstellung, erst dann „ist der ganze Dreck aus dem Boden raus“, so Potthoff. Finanziell ist das trotz EU-Förderung eine Durststrecke. Aber dann, als vollständig zertifizierter Biobetrieb, geht die Rechnung auch wirtschaftlich auf. 48 Cent gibt es für den Liter Biomilch, nur 31 Cent für konventionell erzeugte.

Die Kühe sind dieselben, doch ihr Leben hat sich deutlich verbessert – genau wie ihr Gesundheitszustand. Den offenen Boxenlaufstall, in dem sie den Winter über bleiben, haben Potthoffs um eine Auslauffläche erweitert. Und wenn im Frühjahr das Grün entwickelt ist, erlebt man, was Kühe glücklich macht. Die erste Frischgrünfütterung, der erste Gang auf die Weide: „Das ist Lebensfreude pur“, sagt Potthoff – für seine Familie gehört das zu den Highlights im Bauernjahr. Auch Lebensdauer und Gesundheitszustand der Tiere haben sich deutlich verbessert, obwohl im Biobetrieb keine Medikamente erlaubt sind. Statt mit Antibiotika behandelt Potthoff beispielsweise Euterentzündungen mit hochdosierten Knoblauchboli und ist immer wieder verblüfft über deren prompte Wirkung.

Digitalisierung ist auf dem Biohof ein wichtiges Instrument: Für jede Kuh kann Potthoff per Mausklick detaillierte Gesundheitsdaten abrufen, und auch die Qualität der Milch wird digital lückenlos gemessen und dokumentiert.

Mit Begeisterung berichtet Potthoff auch davon, dass seine Felder trotz des strengen Verbots von Pflanzenschutzmitteln nicht verkrauten. Spezielle Maschinen jäten den Boden GPS-gesteuert, und der Rotklee, der in der dreijährigen Fruchtfolge angebaut wird, liefert nicht nur eiweißreiches Grünfutter für die Kühe. „Der Klee beruhigt den Boden und legt die Unkräuter schlafen“, sagt Potthoff. Dieses Jahr beginnt er, unterstützt von einem anderen Biobauern, auch mit dem Anbau von Biogemüse: „Dafür nutzen wir eine unsere Flächen, die wir beregnen können. Damit uns die nicht für Grünfutter fehlt, stellt zum Ersatz gerade ein befreundeter Betrieb ein Feld auf Biofutteranbau für uns um.“

Solche natürlichen Kreisläufe sind das Prinzip der Biolandwirtschaft. Sie eröffnen den Betrieben neue Möglichkeiten der Kooperation, so dass kreative regionale Bio-Netzwerke entstehen. „Im Biobereich kann man klein anfangen, denn die Leute, Ideen und Möglichkeiten fliegen einem nur so zu. Das ist wie ein Raum, der plötzlich immer mehr Türen bekommt“, so Potthoff.

Glück war trotzdem im Spiel – denn für Biomilch braucht man auch Abnehmer. Seit 2015 hat Söbbeke nur einen neuen Bio-Milchviehbetrieb aufnehmen können – Potthoffs Anruf kam genau im richtigen Moment. Am Ende lebt eben auch ein Biobetrieb von der Nachfrage der Verbraucher: Deshalb entscheidet auch hier das „Wir“, wie viele Landwirte auf Bio umstellen können.